1991 erwarben wir ein Paar Molukkenkakadus, da ein Vogelhalter seinen Bestand verkaufen musste und wir einen Volierenteil frei hatten. Diese beeindruckenden, „aristokratischen“ Vögel brachten uns bis jetzt kein Glück. Gina und Caruso waren sehr schöne Tiere, recht ruhig für diese Art, hatten einander sehr gern. Es waren sicher schon ältere Tiere. Sie verbrachten viel Zeit in ihrem ausgehölten Baumstamm. Von Anfang an fiel uns auf, dass Gina mit der Atmung manchmal Mühe hatte. Caruso wirkte robuster.

Nach knapp einem Jahr ist Caruso an einem heissen Sommertag am Volierendach hängend nach einer Dusche plötzlich verstorben, wahrscheinlich an Herzversagen.

Nur wenige Wochen später lag auch Gina (die Erste) tot in ihrem Nistbaum.

Nach so viel traurigen Ereignissen wollte ich keine so grossen Vögel mehr halten. Diese schönen Tiere gehören eigentlich in die freie Natur. Es ist kaum möglich, ihnen in unserer dichtbevölkerten Gegend adäquaten Lebensraum zu bieten.

Gina - Molukkenkakadu

Verbreitung - C. moluccensis

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Im September 92 übernahmen wir aber wieder ein Paar dieser Vögel, fast aus Erbarmen, da sie seit längerer Zeit in einer kleinen Zimmervoliere gelebt hatten und dort kaum je ihre Flügel ausstrecken konnten.

Gina (die Zweite) entpuppte sich als sehr lebhafter, intelligenter Vogel. Sie ist recht zutraulich, aber doch nicht handzahm. Wenn sie Leckerbissen aus unserer Hand holt, faucht und droht sie manchmal zuerst, bevor sie sich dann doch entschliesst, die Frucht oder das Bisquit zu nehmen.

Es zeigte sich, dass der Hahn gebrechlich war. Mit der neuen Bewegungsfreiheit war er überfordert. Er konnte sich kaum auf den Sitzstangen und Aesten halten, fiel manchmal sogar wie ein Stein zu Boden.

Der Tierarzt vermutete Gicht, eine Krankheit, die bei Papageien öfters vorkomme.

Trotz abwechslungsreicher Ernährung, Vitamin A-Gaben, und Wärme verschlechterte sich sein Zustand. Man hatte den Eindruck, dass ihn seine Füsse schmerzten und er die Stangen gar nicht richtig umschliessen konnte.

Wir mussten das Tier schliesslich einschläfern lassen

Kurz darauf fanden wir via Inserat einen Vogelhalter, der nebst einem Gelbhauben- auch einen Molukkenhahn zu verkaufen hatte (Gelbhaubenkakadu). Er hat uns diese Vögel nicht aufgedrängt und sogar „zur Probe“ mitgegeben. Es waren beides ältere Tiere mit „Fehlern“.

Der Molukkenhahn, der Laura hiess und bei uns in Lauro umgetauft wurde war ein imposantes grosses, aber sanftmütiges ruhiges Tier. Er hatte unschön hängende Flügel. Er stammte aus einer Zeit, als man den Papageien beim Import noch die Flugmuskulatur durchtrennte.

Unsere Gina (die zweite) fand aber sofort grossen Gefallen an diesem Hahn. Auch Lauro behandelte Gina zuvorkommend und liebenswürdig, ganz anders, als man es immer wieder von anderen Haltern zu hören bekommt.

Erstaunlicherweise regte sich auch bald der Bruttrieb bei Gina. Das Paar hat in den vergangenen Jahren schon diverse Nistkastenmodelle bearbeitet, selbstgezimmerte aus alten Brettern, halb ausgehöhlte Baumstammstücke, und ein halbes aus-gedientes Weinfass.

Jedes Jahr in der Weihnachtszeit legt Gina ein erstes Gelege aus meist 2 Eiern. Gina und Lauro haben immer pflichtbewusst die erforderlichen 30 Tage gebrütet, die Eier waren aber unbefruchtet. Man konnte sie nie wegnehmen, da das Paar in der Brutzeit recht aggressiv wurde. Ein zweites Gelege wurde jeweils  im Februar –März bebrütet. Jedesmal haben wir gehofft, dass doch endlich ein Kücken schlüpfen möge und immer wieder wurden wir enttäuscht.

Leider ist auch der alte Lauro eines nachts im Februar 1999 von der Schlafstange gestürzt und verstorben. Es hat damals mitten im Winter beblitzt und gedonnert, ob er vor Schreck hinuntergestürzt ist oder ob eine andere Todesursache vorlag, wissen wir nicht.

Jetzt hatte ich endgültig das Gefühl,  unsere Gina habe doch ein besseres Los verdient als einsam in unserem Wintergarten zu vegetieren. Ich habe sie zum Verkauf ausgeschrieben.

Zufällig erfuhr ich aber von einem verwitweten jüngeren Hahn ganz in der Nähe, sein Weibchen war kürzlich eingegangen. Diesen Hahn konnte ich zuerst quasi ausleihen.

Es handelt sich um ein 1992 geborenes Nachzuchttier.

Er ist der interessanteste, lebhafteste Hahn, den wir bis jetzt in unserer Voliere hatten. Eigentlich hiess er Bocelli. Sein Gesang ist aber keineswegs sehr melodiös dafür sehr laut. Daneben ist er ein äusserst liebenswürdiger Rüppel. Bei uns heisst er Gölä.

Die ersten Wochen glaubte ich immer, diesen Hahn an seinen früheren Platz zurückbringen zu müssen. Er hat unsere Gina den ganzen Tag herumgehetzt, hat sie nicht zum Futter gelassen. Gina war sich dieses Verhalten von ihren früheren halbinvaliden Partnern absolut nicht gewöhnt. Oft hing sie fast den ganzen Tag zuoberst in der Voliere. Man musste immer wieder Tricks anwenden, dass sie zu Futter und Wasser kam.
Ganz allmählich gewöhnten sich die Tiere aneinander, wobei es immer wieder zu Attacken von Seiten des Hahns kommt.

Daneben zeigt Göla alle Verhaltensmuster, die in der Literatur von den Molukkenkakadus beschrieben sind. Er zerstört fast alles, was ihm zwischen den Schnabel kommt. Es macht ihm Spass, täglich alle Futtergeschirre und Wasserbehälter zu demontieren und auszuleeren. Schrauben werden herausgedreht. Wenn man nur einmal den Schlüssel für eine Sekunde stecken lässt, hat er ihn schon herausgezogen und sitzt damit unerreichbar zuoberst  im Käfig. Verschliesst man die Türe nicht, wenn man nur kurz die Geschirre reinigen will, hat er schon die Türfalle gedrückt und kommt heraus. Die Wintergartenstore, die bisher jahrelang zwischen Glas und Volierendach heruntergelassen werden konnte und ihren Dienst zum Beschatten und isolieren versah, hat Göle mit viel Geduld mit seinen Füssen stückweise in die Voliere hinein gezerrt und in hunderte kleine Stofffetzen zerlegt. Die neue Store verläuft jetzt über dem Glas als Aussenstore.

Uns gegenüber ist Gölä nie aggressiv , frisst aus der Hand (wenn ihm das Angebotene passt, sonst wirft er es sofort zu Boden und schaut, ob es etwas besseres gebe).

Gölä hat schon bald versucht, sich mit Gina zu paaren. Gina war aber, wie immer, erst, als es draussen am kältesten war, bereit zu brüten. Leider hatten wir das alte, für uns schwer zu inspizierenden hohle Baumstammstück in der Voliere belassen. Darüber stand ein halbes altes Weinfass, welches die Tiere nur zum benagen und zerstören interessierte. Das Paar bevorzugte den Baumstamm-Nistplatz.

Ende Januar wurde ein Ei gelegt und hauptsächlich von Gina bebrütet. Wieder war es unbefruchtet. Ein zweites Gelege mit zwei Eiern kam Mitte März 2001 zustande. Einen Monat später waren wir ferienabwesend. Die Ersatzbetreuer unserer Vögel berichteten, dass sie nach Ostern Bettellaute aus dem Kasten gehört hätten, was wir kaum glauben konnten. Diese Laute wurden fast eine Woche lang gehört. Am Tag unserer Rückkehr sassen aber beide Alttiere ausserhalb des Kastens, was uns stutzig machte. Es zeigte sich, dass beide Eier befruchtet waren. Das eine Junge war geschlüpft und wurde offenbar ein paar Tage gefüttert, ist dann gestorben oder wurde getötet. Das andere Junge war voll ausgebildet im Ei, aber nicht geschlüpft.

Für die nächste Brutsaison haben wir einen Kasten gezimmert, die Masse nach Angaben aus dem Buch über Papageien-Zucht von R. Low (Literatur).

Alle Kanten sind aluminiumverstärkt. Ein- und Ausflugöffnungen mit einem Stahlrohr verstärkt. Ueber den Kasten wurde eine Hülle aus Tannenrindenbrettern  gezimmert, den die Vögel eifrig benagen. Dazu wurde an der Hinterseite ein Kästchen mit einer Ueberwachungskamera angebracht. Ein paar Wochen lang konnten wir am Fernseher nachschauen, ob sich die Tiere im Kasten aufhalten.

Plötzlich war das Bild nicht mehr da. Dieser unmögliche Gölä hat offenbar gewusst, wo das zum Teil armierte, für ihn nicht sichtbare Kabel zwischen den Volieren durch zum Fernseher verläuft und hat in unbeobachteten Stunden Teile des Kabels mit seinen Zehen ertastet und hervorgezerrt. Ungefähr einen Meter Kabel hat er so zerstört. Jetzt hoffen wir, die Leitung lasse sich wieder herstellen bis zu einem eventuellen Brutbeginn. Natürlich hoffen wir, dass wir endlich über eine gelungene Nachzucht unserer Kakadus berichten könnten.

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